Konzernlagebericht 2021 der BLS

Ins05

Wirtschaftliches Umfeld

Das zweite Pandemiejahr schloss nahtlos dort an, wo das erste aufgehört hat: Die nationalen Einschränkungen in der Mobilität bekam die BLS-Gruppe in Form von niedrigeren Fahrgastzahlen zu spüren. Dabei sorgten die vom Bundesrat angeordnete Homeoffice-Pflicht gerade im ersten Quartal für ein massiv tieferes Personenverkehrsaufkommen und die Omikron-Variante gegen Jahresende für vereinzelte Linienausdünnungen. Der schweizweite Personenverkehr liegt verglichen mit dem Vorjahr rund 10% höher, jedoch nach wie vor über ein Drittel unter den Vor-Pandemie-Zahlen. Die finanziellen Unterstützungsmassnahmen wurden daher von staatlicher Seite bis 2021 verlängert, wovon auch die BLS profitiert. Das tiefere öffentliche Verkehrsaufkommen spürten entsprechend auch die Infrastrukturunternehmen in Form von tieferen Trassenerträgen. Einzig der Güterverkehr konnte sich mehrheitlich erholen.

 

Der BLS-Fernverkehr erstmals mit vollem Linieneinsatz

Seit Dezember 2019 fährt die BLS Fernverkehr AG den InterRegio zwischen Bern und Biel/Bienne. Seit dem 13. Dezember 2020 fährt sie zusätzlich den InterRegio zwischen Bern und Olten sowie den Inter-Regio zwischen Bern und La Chaux-de-Fonds, der vom Regionalverkehr in den Fernverkehr wechselte. 2021 war das erste Geschäftsjahr mit allen drei durch die Verhandlungen mit der SBB und dem Bundesamt für Verkehr (BAV) erhaltenen Linien.

Der Fernverkehr blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück – operativ und finanziell: Hohe Pünktlichkeit, tiefe Ausfallzahlen und pünktlich erhaltenes Rollmaterial führten zu einem effizienten Betrieb. Daneben konnte nach den hohen Einstiegskosten und dem Verlust im ersten Jahr nach der Gründung erstmals ein positives Jahresergebnis erwirtschaftet werden.

 

MIKA: Erfolgreiche Inbetriebnahme jüngster Zugflotte

Es ist die grösste Zugbeschaffung in der Geschichte der BLS: Das Bahnunternehmen investiert rund CHF 650 Mio. in 58 neue einstöckige Niederflurzüge von Stadler Rail. Der moderne, innovative, kompakte Allroundzug – kurz MIKA – ersetzt bis Ende 2024 schrittweise die in die Jahre gekommenen EW-III- und RBDe-Züge.

Ab 10. Mai 2021 nahm die BLS die ersten neuen Züge in Betrieb. Sie verkehren als InterRegio 66 auf der Strecke Bern–La Chaux-de-Fonds. Weitere folgten ab 13. Juni als S4 auf der Linie Thun–Bern–Burgdorf–Langnau. Ab Ende 2022 sollen die MIKAs ausserdem auf der Lötschberg-Bergstrecke (Bern–Kandersteg–Brig–Domodossola) und im Simmental (Bern–Spiez–Zweisimmen) fahren.

 

Abschluss und Rückzahlung zu hoher Abgeltungen

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021 konnte die BLS sämtliche Sachverhalte rund um die zu hoch bezogenen Abgeltungen abschliessen, Vereinbarungen unterzeichnen und den Grossteil der zurückgestellten Beträge an das Bundesamt für Verkehr (BAV) und die Besteller auszahlen.

Die finale Unterzeichnung und Umsetzung der Vereinbarung führte zu einem positiven Effekt im Jahresabschluss der BLS AG, da weniger bezahlt werden musste, als in den Vorjahren zurückgestellt wurde. Die Beträge wurden entsprechend im ausserordentlichen Ergebnis der BLS AG sowie des Konzerns ausgewiesen.


Geschäftsentwicklung

Im Berichtsjahr resultiert ein Nettoumsatz von CHF 1’189,6 Mio. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von CHF 77,0 Mio. (+6,9%). Die Umsatzsteigerung ist mehrheitlich auf gesteigerte Umsätze in der Personenmobilität sowie höhere Investitionsabgeltungen bei der Infrastruktur zurückzuführen. Der Umsatz im Segment Güterverkehr liegt aufgrund eines leicht veränderten Produktemix minimal unter Vorjahr (CHF –0,8 Mio.). Nach wie vor am stärksten von der Pandemie betroffen ist das Segment Personenmobilität. Lediglich aufgrund der zusätzlichen Verkehrserträge der zweiten von der SBB übernommenen Fernverkehrslinie sowie abgegrenzter Bundeshilfen für 2021 liegt der Umsatz CHF 36,6 Mio. über den Vorjahreswerten.

Konzernumsatz nach Segmenten

in Mio. CHF

2021

2020

Personenmobilität

530,5

491,9

Infrastruktur

423,0

394,1

Güterverkehr

269,7

270,5

Immobilien

3,6

2,2

Übriges

76,9

72,6

Eliminationen

–112,0

–118,6

Umsatzentwicklung Personenmobilität

Im Segment Personenmobilität ist der Umsatz der BLS-Gesellschaften um CHF 36,6 Mio. auf CHF 528,5 Mio. gestiegen. Die Hauptumsatzkomponenten bildeten dabei die Verkehrserträge (CHF 256,1 Mio.) und die Abgeltungen (CHF 184,3 Mio.). Daneben hat die Personenmobilität Eigenleistungen über CHF 59,9 Mio. und sonstige Erträge über CHF 28,3 Mio. erzielt. Die sonstigen Erträge beinhalten u. a. Materialverkäufe, Bau/Unterhaltsleistungen, Nettoerträge aus Provisionserträgen sowie Erlösminderungen.

Verkehrserträge

Die Verkehrserträge betrugen im Berichtsjahr CHF 256,1 Mio. und fielen damit um CHF 22,1 Mio. höher aus als im Vorjahr (+9,4%). Der schweizweite Nachfrageeinbruch im Personenverkehr (gemessen in Personenkilometern) wird 2021 nach wie vor auf –34% gegenüber Vor-Pandemie-Zeiten geschätzt, jedoch rund 8% höher als im Vorjahr. Bei der BLS sanken die Verkehrserträge im Regionalverkehr Bahn um CHF 13,7 Mio., begründet durch die Abgabe einer Strecke an den Fernverkehr, Änderungen im Accounting von tagesscharfen Abo-Abgrenzungen sowie Umsatzrückgängen durch veränderte Anteile von Abo-Verteilschlüsseln. Der regionale Busverkehr ist umsatzmässig auf Vorjahresniveau. Die Schifffahrt verzeichnete über CHF 1,7 Mio. höhere Billetteinnahmen. Der Autoverlad steigerte seine Verkehrseinnahmen um CHF 6,5 Mio., wobei CHF 3,3 Mio. auf höhere Nachfrage zurückzuführen sind . Die restlichen CHF 3,2 Mio. sind durch die im Jahr 2020 vorgenommene Einmalkorrektur bei den Mehrfahrtenkarten im nicht-abgeltungsberechtigten Bereich begründet.

Der Fernverkehr konnte seinen Verkehrsertrag um CHF 27,6 Mio. steigern. Gründe sind eine leichte Erholung der Nachfrage auf der bestehenden Linie Bern–Biel/Bienne sowie die Übernahme der beiden Fernverkehrslinien Bern–Olten und Bern–La Chaux-de-Fonds.

Anzahl Fahrgäste

Mio.

+ %

Im Jahr 2021 sind 52,8 Mio. Fahrgäste mit der BLS gereist. Das sind 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr, was vorwiegend darauf zurückzuführen ist, dass die BLS neu die Fernverkehrslinie Bern–Olten bedient. Im Regionalverkehr waren 2021 etwa gleich viele Fahrgäste unterwegs wie im Vorjahr. Die Fahrgastzahlen im Regionalverkehr bleiben damit rund 30 Prozent tiefer als vor der Corona-Pandemie. Die Schifffahrt (+38,3%) und der Autoverlad (+12,2%) konnten die Passagierzahlen gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern.

Verkehrserträge (in Mio. CHF)

+9,4%

243,7

2017

272,2

2018

278,1

2019

234,0

2020

256,1

2021

2017

243,7

2018

272,2

2019

278,1

2020

234,0

2021

+9,4%

256,1

Wie die Fahrgastzahlen fallen auch die Einnahmen aus dem Billettverkauf immer noch deutlich tiefer aus als vor der Corona-Pandemie. Die Zunahme um 22,1 Mio. Franken gegenüber dem Vorjahr liegt vor allem daran, dass die BLS neu die Fernverkehrslinie Bern–Olten bedient. Auch die Schifffahrt und der Autoverlad konnten die Verkehrserträge gegenüber dem Vorjahr steigern.

Abgeltungen

Der Regionalverkehr Bahn sowie der Regional- und Ortsverkehr Bus werden durch die Bestellerkantone und den Bund abgegolten; der Autoverlad am Simplon durch den Kanton Wallis. Im Jahr 2021 hat die BLS dafür CHF 152,3 Mio. an ordentlichen Abgeltungen erhalten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Abnahme der ordentlichen Abgeltungen von CHF 14,1 Mio. (–8,5%). Die Reduktion der ordentlichen Abgeltungen ist hauptsächlich auf die in den Vorjahren korrigierten Sachverhalte im Abgeltungswesen, Synergieeffekte mit dem Fernverkehr sowie die an den Fernverkehr abgegebene InterRegio-Linie Bern–Neuenburg–La Chaux-de-Fonds zurückzuführen. Andererseits kommt die staatlich beantragte Bundeshilfe über CHF 32,0 Mio. hinzu.

Personenkilometer Bahn (in Mio. Kilometer)

+14,2%

1013,4

2017

1034,0

2018

1063,8

2019

802,1

2020

916,2

2021

2017

1013,4

2018

1034,0

2019

1063,8

2020

802,1

2021

+14,2%

916,2

Im Jahr 2021 sind die Fahrgäste 718,0 Mio. Kilometer in den Regionalzügen und 198,2 Mio. Kilometer in den Fernverkehrszügen der BLS gereist. Im Regionalverkehr entspricht dies, bereinigt um die neu zum Fernverkehr zählende Linie Bern–Neuenburg–La Chaux-de-Fonds, einer Zunahme von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Fernverkehr ist ein Vergleich zum Vorjahr nicht aussagekräftig, weil mit Bern–Olten und Bern–Neuenburg–La Chaux-de-Fonds zwei neue Linien hinzugekommen sind.

Umsatzentwicklung Infrastruktur

In der abgelaufenen Periode hat die BLS den Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), die auf BLS-Infrastruktur verkehren, CHF 72,4 Mio. Infrastrukturbenutzung verrechnet (CHF –5,3 Mio. gegenüber Vorjahr). Hauptgründe waren vor allem der coronabedingte Umsatzrückgang von Trassenerträgen sowie der kleinere Deckungsbeitragsanteil aufgrund tieferer Verkehrserlöse der konzessionierten Transportunternehmen.

Daneben finanziert sich das Segment Infrastruktur hauptsächlich durch Abgeltungen aus dem Bahninfrastrukturfonds. Gesamthaft stieg die Abgeltung von CHF 243,6 Mio. auf CHF 283,0 Mio. Dabei sank die Abgeltung zur Deckung der Betriebskosten aufgrund des Beginns einer neuen vierjährigen Leistungsvereinbarungsperiode von CHF 63,6 Mio. auf CHF 59,5 Mio. Die Abschreibungsabgeltung – eine Kombination aus Abschreibungen, Anlageabgängen und nicht aktivierbaren Projektleistungen – kann je nach Projekten und Ausserbetriebnahme von Anlagen stark schwanken. Im Berichtsjahr erhöhte sich diese um CHF 43,6 Mio. auf CHF 223,6 Mio. Dabei ist die Veränderung hauptsächlich auf ausserordentlich hohe Sachanlagenabgänge und Projektabschlüsse zurückzuführen.

Weiter generierte die Infrastruktur Eigenleistungen in Höhe von CHF 38,9 Mio. (–14,8%) und erzielte sonstige Erträge über CHF 28,7 Mio. (+5,8%). Erstere reduzierten sich aufgrund überdurchschnittlich hoher Bauleistungen für Dritte sowie Leistungen für Werkstattumbauten der Personenmobilität im Vorjahr.

 

Umsatzentwicklung Güterverkehr

Das Segment Güterverkehr umfasst die Beteiligungen der BLS an der BLS Cargo AG (52%) und der RAlpin AG (33%). Der Umsatz des Segments Güterverkehr blieb im vergangenen Jahr mit CHF 269,7 Mio. auf Vorjahresniveau (–0,3%). Nach dem pandemiebedingten Rückgang der Verkehrsnachfrage im Jahr 2020 zog diese im vergangenen Jahr deutlich an. Die Verkehrsmenge bei BLS Cargo stieg um knapp 10% und liegt bei rund 22’000 Zügen. Eine besondere Herausforderung stellte die Bewältigung der zahlreichen Streckensperrungen aufgrund von Baustellen vor allem im Deutschen Bahnnetz dar.

 

Umsatzentwicklung Immobilien

Mit einem Umsatz von CHF 3,6 Mio. ist der Immobilienbereich das kleinste Segment der BLS. Die BLS Immobilien AG verwaltet ihre Bestandsliegenschaften und konzentriert sich hauptsächlich auf die Entwicklung der eigenen Areale. Der Umsatz stieg im Berichtsjahr um CHF 1,4 Mio. (+64,5%). Dieser Anstieg ist vor allem auf den Teilverkauf eines Landabschnittes sowie auf positive latente Steuereffekte zurückzuführen.

Die Pandemieeffekte im Umsatz der Bestandsliegenschaften sind marginal, jedoch hat sich das Vorantreiben der Entwicklungsprojekte weiter verzögert.

 

Übrige Erträge/Konzernaktivitäten

Die übrigen Erträge/Konzernaktivitäten fallen mit CHF 76,9 Mio. um CHF 4,3 Mio. höher aus als im Vorjahr, was auf höhere Werkstatt- und Rollmaterialvermietungserträge zurückzuführen ist.

 

Betriebsaufwand

Der Betriebsaufwand (exklusive Personalaufwand) hat sich im Jahr 2021 um CHF 19,2 Mio. auf CHF 520,2 Mio. erhöht (+3,8%). Das Verhältnis zwischen Betriebsaufwand und Umsatz beträgt 43,7% (gegenüber 45,0% im Vorjahr). Die Betriebsleistungen von Dritten reduzierten sich um CHF 10,5 Mio. (–3,9%), was hauptsächlich auf reduzierte Transportleistungskosten zurückzuführen ist.

Der Materialaufwand erhöhte sich um CHF 2,8 Mio. (+3,9%), wobei der erhöhte Fahrbahnunterhalt als hauptsächlicher Kostentreiber höher ausgefallen ist. Der sonstige Betriebsaufwand stieg gesamthaft um CHF 26,9 Mio. an. Die Mehraufwände begründen sich wie folgt:

  • höhere Aufwände durch Anlageabgänge und Verschrottungen (CHF +28,2 Mio. ggü. Vorjahr)
  • höhere Bahnstromkosten (CHF +3,2 Mio. ggü. Vorjahr)
  • höhere Unterhaltskosten (CHF +1,3 Mio. ggü. Vorjahr)

 

Tiefere Ausgaben für Versicherungsschäden (CHF –4,7 Mio. weniger als im Vorjahr) und Verwaltungskosten (CHF –1,4 Mio.) vermindern diesen Effekt.

Personalaufwand

Der Personalaufwand betrug in der Berichtsperiode CHF 398,2 Mio. gegenüber CHF 378,2 Mio. im Vorjahr. Die Anzahl Vollzeitstellen stieg auf 3’240,1 (+94,5). Die Zunahme von CHF 19,9 Mio. (+3,8%) ist durch drei Effekte zu erklären:

  • Im Segment Güterverkehr erhöhte sich der Personalaufwand um CHF 4,0 Mio., was hauptsächlich auf mehr Lokführer und auf den Ausbau des Kundendiensts zurückzuführen ist.
  • Im Segment Personenmobilität sowie in der Bahnproduktion und bei den zentralen Funktionen erhöhte sich die Anzahl Vollzeitstellen wegen der Bewirtschaftung der zusätzlichen Fernverkehrslinie sowie wegen Arbeiten an grossen Projekten (Werkstätte, neue Zugflotte, Refits) um rund CHF 7,0 Mio.
  • Diverse positive Einmaleffekte im Jahr 2020 (Kurzarbeit, Teilauflösung Restrukturierungsrückstellung) fielen 2021 im Total von CHF 9,0 Mio. weg.
Mitarbeitende BLS-Gruppe

Mitarbeitende in Personen

3620

100%

2021

2020

Bahnproduktion

1646

45.5%

1590

44.9%

Infrastruktur (BLS Netz AG)

784

21.6%

765

21.6%

Personenmobilität

347

9.6%

359

10.2%

Zentrale Funktionen

293

8.1%

297

8.4%

BLS Cargo AG (inkl. Crossrail)

417

11.5%

400

11.3%

Busland AG

133

3.7%

126

3.6%

Die BLS hat Ende Jahr 83 Mitarbeitende mehr beschäftigt als ein Jahr zuvor. In Vollzeitstellen beträgt die Zunahme 94,5 Stellen. Zum Stellenaufbau beigetragen hat insbesondere die Übernahme des InterRegio Bern–Olten. Für die Linie braucht die BLS zusätzliches Personal, zum Beispiel Lokführerinnen und Lokführer.

Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA)

Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich in der Berichtsperiode um CHF 37,9 Mio. auf CHF 271,2 Mio. Die EBITDA-Marge erhöhte sich von 21,0% auf 22,8%. Die Umsatzsteigerung von CHF 77,0 Mio. ist überproportional zu Aufwandserhöhungen von CHF 39,1 Mio. Dies liegt in erster Linie an der hohen Fixkostenstruktur der BLS. Bis auf den Lockdown im Frühling 2020 wurden der Fahrplan sowie die Infrastruktur aufrechterhalten, sodass trotz weniger Fahrgästen die Fixkosten im üblichen Umfang anfielen. Eine leichte Erholung im Personenverkehr sowie zusätzliche Linien und Bundeshilfen im Personenverkehr führten zu einem überproportionalen Umsatzwachstum.

 

Abschreibungen

Die Abschreibungen erhöhten sich in der Berichtsperiode um CHF 9,1 Mio. auf CHF 267,1 Mio. Dabei stiegen die Abschreibungen auf dem Sachanlagevermögen um CHF 11,7 Mio. und die Amortisationen auf den immateriellen Anlagen reduzierten sich um CHF 2,5 Mio. Im Berichtsjahr ist eine Wertberichtigung auf Grundstücken der Infrastruktur über CHF 2,2 Mio. enthalten. Die höheren Abschreibungen sind mehrheitlich auf neues Rollmaterial, aktivierte Werkstätten und sanierte Bahnhöfe zurückzuführen.

 

Betriebsergebnis

Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) betrug in der Berichtsperiode CHF 4,2 Mio. Damit verbesserte sich der EBIT gegenüber dem Vorjahr um CHF 28,8 Mio. und die EBIT-Marge von –2,2% auf 0,3%.

 

Finanzergebnis, Steuern, ausserordentliches Ergebnis

Der Nettofinanzaufwand sank im Berichtsjahr um CHF 8,8 Mio. auf CHF 11,0 Mio. Im Zuge der Bereinigung der finanziellen Situation wurden im Vorjahr für die zu viel erhaltenen Abgeltungen CHF 9,1 Mio. an potenziellen Verzugszinsen zurückgestellt. Dieser Einmaleffekt fiel im Berichtsjahr weg. Die Ertragssteuern erhöhten sich in der Berichtsperiode um CHF 0,5 Mio. auf CHF 1,2 Mio. Durch die Auflösung von Rückstellungen über CHF 1,5 Mio. widerspiegelt das ausserordentliche Ergebnis die Finalisierung des Vergangenheitsthemas Halbtax-Erlöse im Libero-Verbund.

 

Reingewinn und Minderheiten

Der Unternehmensverlust inklusive Minderheitsanteile betrug im Berichtsjahr CHF 6,5 Mio. Das entspricht einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr um CHF 38,5 Mio. Der Anteil der Minderheiten reduzierte sich aufgrund des negativen Ergebnisanteils der Infrastruktur um CHF 8,6 Mio. gegenüber dem Vorjahr. Nach Abzug der Minderheitsanteile resultiert somit ein Reinverlust von CHF 3,6 Mio. Aufgesplittet nach den einzelnen Segmenten wurden folgende Ergebnisse erwirtschaftet:

Konzerngewinn nach Segmenten (exkl. Minderheiten)

in Mio. CHF

2021

2020

Personenmobilität

1,6

–49,0

Infrastruktur

–3,5

2,3

Güterverkehr

4,2

–0,1

Immobilien

1,8

0,1

Übriges

0,4

–4,2

Eliminationen

–8,1

0,0

  • Im Segmentergebnis der Personenmobilität sind beantragte Unterstützungsgelder über CHF 34,6 Mio. für die Regionalverkehre Bahn und Strasse, den Autoverlad sowie die Schifffahrt berücksichtigt.
  • Das Ergebnis im Segment Infrastruktur wurde vor allem durch tiefere Deckungsbeiträge bei Trassen (aufgrund tieferer Verkehrserlöse seitens konzessionierter Transportunternehmen) sowie die Trassenpreisrevision 2021 (tiefere Trassenpreise) geprägt. Gegenüber einem Normaljahr beträgt der Corona-Effekt auf die Trassen respektive das Ergebnis rund CHF 6,2 Mio.
  • Wie auch 2020 verzichtete BLS Cargo 2021 auf staatliche Pandemieunterstützung und erzielte dank der guten Verkehrsnachfrage ein positives Unternehmensergebnis. Ralpin hingegen beantragte finanzielle Unterstützungsgelder beim Bund. Insgesamt resultierte für das Segment Güterverkehr ein Gewinn nach Minderheiten von CHF 4,2 Mio.
  • Das Segment Corporates war am wenigsten stark von der Corona-Pandemie betroffen. Die Schwankungen im Ergebnis stammen hauptsächlich aus tieferen Kosten aus Schadensfällen (CHF 4,7 Mio. gegenüber Vorjahr), Einmaleffekten (Sacheinlage mit Zwischengewinn; Dividende) und höheren Werkstattleistungen (CHF 0,9 Mio.). Vom Konzern übernommene Kosten (z. B. Taskforce Covid, Konzernprojekte) schmälern den positiven Effekt.
  • Die Zwischengewinnelimination resultiert aus der Verschiebung von Liegenschaften zu Verkehrswerten innerhalb der unterschiedlichen Segmente sowie der anteiligen Dividende an der BLS Cargo AG.

 

Im Segment Personenmobilität sind unterschiedliche Geschäftsmodelle enthalten, welche zum Teil abgeltungsberechtigt sind und dadurch einer regulatorischen Berichterstattung unterstehen. Zur zusätzlichen Transparenz sind unten stehend die regulatorisch zu meldenden Ergebnisse ausgewiesen. Verglichen mit dem Segmentergebnis besteht der Unterschied hauptsächlich aus zwei Komponenten: Die Auflösung stiller Reserven (ergebnisverbessernd) wird unter Swiss GAAP FER nicht berücksichtigt und die Managementkosten der Personenmobilität sowie einmalige Sachverhalte werden in den zu meldenden regulatorischen Ergebnissen nicht einbezogen.

Ergebnisse Sub-Bereiche Personenmobilität

in Mio. CHF

2021

2020

Regionalverkehr Bahn national

0,3

–0,7

Regionalverkehr Bahn international

–0,4

–0,8

Regional- und Ortsverkehr Strasse

–0,7

0,1

Autoverlad

2,3

–4,9

Schifffahrt

0,2

–4,1

Fernverkehr

7,3

–2,7

Die Ergebnisse basieren auf regulatorischer Datengrundlage.

Ins02

Vermögenssituation und Finanzierung

Als Konsequenz der operativen Geschäftstätigkeit und den damit verbundenen notwendigen und anhaltenden Grossinvestitionen nahm die Bilanzsumme im Vorjahresvergleich um CHF 95,2 Mio. zu (+1,7%). Während sich das Eigenkapital aufgrund des Negativergebnisses um CHF 8,5 Mio. reduzierte, wurde das Bilanzwachstum mit CHF 103,7 Mio. Fremdkapital finanziert.

Wesentliche, aktivseitige Veränderungen gab es vor allem bei den flüssigen Mitteln, den transitorischen Aktien sowie den Sach- und Finanzanlagen zu verzeichnen. Die Zunahme von CHF 23,4 Mio. bei den flüssigen Mitteln sowie die Abnahme von CHF 19,4 Mio. bei den Finanzanlagen ist mehrheitlich durch die Auflösung von Festgeld (netto CHF 20,0 Mio.) zu erklären. Die transitorischen Aktiven sind vor allem aufgrund der zu erwartenden Bundeshilfen um total CHF 38,2 Mio. höher. Die Zunahme bei den Sachanlagen über CHF 45,6 Mio. ergibt sich durch die anhaltend hohe Investitionstätigkeit. Dabei sind neben grösseren Infrastrukturprojekten vor allem die Zahlungen für Rollmaterial (Fernverkehr, regionaler Personenverkehr) sowie die Werkstattumbauten als Hauptinvestitionspunkte zu erwähnen.

Das operative Nettoumlaufvermögen hat sich in der Berichtsperiode von CHF –5,7 Mio. auf CHF +21,0 Mio. vergrössert. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich ein stichtagsbezogen höheres Umlaufvermögen (exklusive flüssige Mittel) von CHF 48,6 Mio. sowie höhere sonstige Verbindlichkeiten (CHF +9,6 Mio.) und passive Rechnungsabgrenzungen (CHF +20,3 Mio.).

Auf der Finanzierungsseite ergaben sich aufgrund der anhaltend hohen Investitionstätigkeit signifikante Zunahmen im verzinslichen Fremdkapital. Unter anderem bediente sich der Konzern über alle Gesellschaften gesehen mit zusätzlichen CHF 123,7 Mio. am Kreditmarkt und erhöhte das Financial Lease (Rollmaterial Güterverkehr) um CHF 7,3 Mio. Weiter wurden CHF 9,1 Mio. an unverzinslichen Darlehen (Infrastruktur) aufgenommen.

Das Eigenkapital sank im Berichtsjahr um CHF 8,5 Mio., der Minderheitsanteil um CHF 4,8 Mio. Die Eigenkapitalquote sank von 16,9% auf 16,5%. Die Veränderung von 0,4 Prozentpunkten ist auf das Negativergebnis, eine anteilig ausbezahlte Dividende an Minderheiten sowie auf das erwähnte Bilanzwachstum mit Fremdkapital zurückzuführen.

Die Nettoverschuldung erhöhte sich von CHF 4’353 Mio. auf CHF 4’444 Mio. Im Verhältnis zum EBITDA sank die Nettoverschuldung vom 18,7-Fachen auf das 16,4-Fache.


Geldfluss

Der Geldzufluss aus der Betriebstätigkeit betrug in der Berichtsperiode CHF 221,0 Mio., was einer Erhöhung gegenüber dem Vorjahr von CHF 112,2 Mio. entspricht.

Im Wesentlichen ist diese Erhöhung dem Jahresergebnis von CHF –3,6 Mio. (+47,2 Mio. gegenüber dem Vorjahr) sowie der stichtagsbezogenen Veränderung im Nettoumlaufvermögen von CHF +72,9 Mio. zuzuschreiben.

Der Geldabfluss aus der Investitionstätigkeit belief sich im Jahr 2021 auf CHF 327,9 Mio. Dies entspricht einer Abnahme von CHF 1,3 Mio. gegenüber dem Vorjahr, wobei netto CHF 56,1 Mio. mehr in Sachanlagen und CHF 58,5 Mio. weniger in Finanzanlagen investiert wurden. Die Veränderungen in den Finanzanlagen sind hauptsächlich auf die Veränderungen bei Festgeldern zurückzuführen. Brutto wurden im Berichtsjahr CHF 344,4 Mio. in Sachanlagen investiert, wovon die grössten Neuinvestitionen von der BLS AG (CHF 142,1 Mio.), von der BLS Netz AG (CHF 187,0 Mio.) sowie vom Fernverkehr (CHF 13,6 Mio.) stammten. Bei der BLS AG fielen vor allem die Beschaffung von 52 neuen Regionalzügen und die Modernisierung der Werkstätten ins Gewicht. Bei der BLS Netz AG ergaben sich die hohen Investitionen aus der allgemeinen Infrastrukturerhaltung, unter anderem durch die Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG). Die Investitionen für den Fernverkehr waren vor allem Zahlungen für Rollmaterial.

Im Berichtsjahr ergibt sich somit ein negativer Free Cash Flow von CHF 106,8 Mio.

Der Geldzufluss aus Finanzierungstätigkeit betrug in der Berichtsperiode CHF 130,7 Mio., was gegenüber dem Vorjahr einer Reduktion von CHF 42,0 Mio. entspricht. Die Reduktion gegenüber dem Vorjahr ist hauptsächlich der im 2020 getätigten Finanzierung der BLS Fernverkehr AG zur Kapitalausstattung über CHF 78 Mio. geschuldet. Ohne diesen Sondereffekt musste die BLS-Gruppe zusätzliche CHF 36 Mio. gegenüber dem Vorjahr aufnehmen.

Im Berichtsjahr wurde geldmässig Fremdkapital in Höhe von CHF 132,4 Mio. ausbezahlt. Für den Anteil verzinslicher Finanzierungen von CHF 124,4 Mio. wurde der Kreditmarkt bedient, wogegen die unverzinslichen Aufnahmen und Rückzahlungen von CHF 14,3 Mio. hauptsächlich aus dem Bahninfrastrukturfonds stammen. Auf der anderen Seite wurden CHF 6,3 Mio. Finanzierungsleasing zurückgeführt.

Daraus resultierte eine positive Nettoveränderung der flüssigen Mittel von CHF 23,9 Mio. Diese betrugen am Ende des Geschäftsjahres 2021 damit CHF 158,7 Mio.

Ins06

Risikobeurteilung

Die BLS AG bewegt sich in einem stark regulierten und von staatlichen Akteuren geprägten Umfeld. Erschwerend war das vergangene Geschäftsjahr stark durch die Pandemie geprägt. Die BLS AG hat deshalb ihre Risikomanagement-Aktivitäten weiter intensiviert und professionalisiert, was sich insbesondere in kürzeren Aktualisierungsintervallen der Risikoinventare in den Geschäftseinheiten und Tochtergesellschaften, der direkten Einbindung der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates in der Bearbeitung von strategischen Risiken und in der risikobasierten respektive -adjustierten Planung äussert.

 

Ziele und Organisation

Die BLS AG betreibt ein auf die Bedürfnisse des Verwaltungsrates und der Konzernleitung ausgerichtetes, konzernweites Risikomanagement. Um eine effektive Unternehmungsführung zu gewährleisten, ist das Risikomanagement ein integrierter Teil der Unternehmensplanungund ein Führungsinstrument, ergänzt die finanziellen Prognosen und fliesst direkt in die Entscheidungsfindung ein. Auf der operativen Ebene hilft es den Führungskräften beim Priorisieren von Handlungsfeldern und Massnahmen. Übergreifende und aktuell als Risiken mit einer hohen Kritikalität eingestufte Themen und Projekte werden auf einer Heat Map geführt und auf Stufe Geschäftsleitung alle zwei Wochen traktandiert. Risikomanagement bei der BLS AG ist Chefsache.

Eine konzernweit einheitliche Risiko-Bewertungsmatrix bildet die Grundlage für eine standardisierte Bewertung, Kategorisierung und Berichterstattung der Risiken. In den Geschäftsbereichen, den Tochtergesellschaften und in den Projektteams werden Risiken identifiziert und bewertet, Massnahmen werden festgelegt und periodisch getrackt, konzernweit aggregiert und harmonisiert. Finanzielle Risiken werden im Rahmen der Budgeterarbeitung mit quantitativen Parametern versehen und in aggregierter Form im Budgetbericht dargestellt.

 

Assurance-Funktionen

Der Verwaltungsrat der BLS AG hat eine Assurance- Politik mit neun Assurance-Feldern verabschiedet, welche die Oberaufsicht und Steuerung des Unternehmens auf der Stufe der Second Line of Defense (Modell der drei Verteidigungslinien) verstärkt, dies in den Bereichen Risiko, (Arbeits-)Sicherheit, Compliance, IKS, Informationsmanagement, Qualität und Nachhaltigkeit. Die Risikoeinschätzung der Geschäftsleitung zuhanden des Verwaltungsrates erfolgt jährlich via Risikobericht. Dieser umfasst unter anderem die aktuellen Top-Risiken der BLS AG.

Gemäss Assurance-Politik soll ein einheitliches Massnahmentracking über alle Assurance-Felder erstellt werden, welche Massnahmen zu Risiken, Auditfeststellungen, Compliance-Prävention und IKS umfassen. Die begonnenen Arbeiten sollen 2022 fortgesetzt werden, und eine tool-basierte Lösung soll die bisherige manuelle Erfassung ablösen.

 

Politik, Weisung und Schulungen

Besonderer Wert wurde im vergangenen Geschäftsjahr auf die Überarbeitung der Risikopolitik und der Weisung als Bestandteile der Assurance-Politik gelegt, und im Hinblick auf die Schulungen im Bereich Risikomanagement wurden die Vorbereitungen für die Ausbildungsmodule getroffen. Ziel ist eine flächendeckende Ausbildung für die Risikoverantwortlichen in den Geschäftsbereichen und die Prozesseigner sowie die Projekt- und Programmleiter.

 

Risikoradar

Im dritten Quartal 2021 fand erstmals ein strategisches Risikoradar unter Einbezug der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates statt. Anhand eines strukturierten Fragebogens wurden aus dem Katalog von generischen «kritischen Erfolgsfaktoren» einer Unternehmung diejenigen bestimmt, welche für die BLS AG relevant sind. Daraus wurden 17 Chancen- und Risikothemen abgeleitet, welche weiter individuell bewertet wurden. In einem Risikoworkshop mit der Geschäftsleitung im November wurden diese Themen weiterverarbeitet, und die Ergebnisse sind in die Risikoinventare der Geschäftseinheiten eingeflossen.

Als grösste Risikofelder wurden die Kostensituation und Risiken im Zusammenhang mit einem neuen Führungsmodell beleuchtet, und die beschlossenen Massnahmen werden von der Geschäftsleitung prioritär angegangen.

 

Risikosituation inklusive wesentlichste Risiken

Die Veränderungen im regulatorischen Bereich beeinflussen die Arbeit der BLS AG in vielfacher Weise. Wichtigste erfolgsrelevante Themen sind:

 

Regulatorisches Umfeld
  • Die Offertprozesse im regionalen Personenverkehr werden aufgrund der Änderungen des Finanzierungssystems und der gestiegenen Bestelleranforderungen langwieriger sowie intensiver in der Durchführung und Abstimmung.
  • Trotz der Auswirkungen der Coronapandemie auf den Geschäftsgang 2021 waren die finanziellen Risiken unter Kontrolle.
  • Der engere regulatorische Handlungsspielraum und die potenzielle Zunahme des Kostendrucks aufgrund der mittelfristigen Effekte der Coronapandemie, wirken sich jedoch negativ auf die unternehmerischen Entwicklungsmöglichkeiten aus.

 

Geschäftserweiterung respektive -verkleinerung
  • Infrastruktur: Die Infrastrukturkonzession wurde lediglich für drei Jahre verlängert. In dieser Zeit soll der neue Aktionärsbindungsvertrag ausgearbeitet werden.
  • Fernverkehr: Der erfolgte Einstieg in den eigenwirtschaftlichen Fernverkehr ist mit entsprechenden Ertragsrisiken verbunden, welche sich aufgrund der Coronasituation weiter manifestiert haben. Die komplexe Beziehung zum Mutterhaus muss mit einer klaren Governance, Kostenrechnung und Compliance einhergehen, um Risiken zu reduzieren.
  • Immobilien: Für den Aufbau des Immobiliensegments wird neben Eigenmitteln ein grosser Anteil Fremdkapital benötigt. Dabei ist der momentane Immobilienmarkt sehr genau zu verfolgen. Mit der Umsetzung des Businessplans Arealentwicklung und der Immobilienportfoliostrategie soll die Rentabilität der Anlageliegenschaften Bahnhöfe sowie der Areale gesteigert werden.
  • Schifffahrt: Die BLS will die Schifffahrt auf eine gesunde Basis stellen und nachhaltig im Tourismusmarkt positionieren. Der Verwaltungsrat hat 2020 die Umsetzung eines neuen Geschäftsmodells beschlossen, und ab Januar 2022 wird die BLS Schifffahrt AG als selbstständiges Unternehmen durch einen eigenen Verwaltungsrat und eine eigene Geschäftsleitung operativ geführt.

 

Informationssicherheit und Cyber-Risiken

Cyber-Risiken stellen weiter eine grosse Herausforderung dar. Grund dafür sind die Dynamik der technischen Veränderungen, die zahlreichen Angriffsmöglichkeiten sowie die zunehmende unternehmensübergreifende Vernetzung von Systemen. Gerade in der Pandemiezeit haben die Angriffe auf KMU und kritische Infrastrukturen massiv zugenommen, und viele Firmen wurden Opfer von Angriffen und Erpressungsversuchen. Zur Reduktion dieser Risiken baut die BLS ihre Prozesse und Systeme für die frühzeitige Erkennung und Abwehr von Cyber-Bedrohungen kontinuierlich aus.

 

Operative Risiken

In einem Bahnbetrieb besteht eine Vielzahl von operativen Risiken, die kontinuierlich beobachtet und bearbeitet werden. Hohe Beachtung haben für die BLS aktuell folgende Themen:

  • Die Realisierung einer neuen Werkstätte für den Fahrzeugunterhalt – und damit für den stabilen Bahnbetrieb – ist zentral und ein Schlüsselprojekt. Der bisher vorgesehene Standort Chliforst wird nicht weiterverfolgt.
  • Der Erhalt der Qualität des Bahnbetriebs ist aufgrund der hohen Auslastung und der verstärkten Bautätigkeit in den nächsten Jahren eine Herausforderung. Dies betrifft vor allem die Grossbaustellen in Bern Wankdorf und in den beiden Lötschbergtunneln. Gerade die Tagbaustellen bergen sehr grosse Gefahren für die Bauarbeiter, durch die strikten Sicherheitsauflagen gehen die Arbeiten nur langsam voran, und die Arbeiten werden noch bis 2024 dauern.
  • Ertragseinbruch aufgrund von COVID-19: Aus dem temporär verordneten Lockdown seit Frühling 2021 verbunden mit den diversen Reisebeschränkungen während den Coronawellen zwei bis vier resultierte ein massiver Impact auf die Geschäftstätigkeit 2021. Insbesondere im Personenverkehr fahren wir ein volles Angebot zu vollen Kosten, jedoch mit deutlich tieferen Frequenzen und Einnahmen.
  • Nachdem im Dezember 2020 beim Bahnhof Belp ein MUTZ-Fahrzeug mit einem zweiten MUTZ zusammengestossen ist, wurde der Vorfall dem BAV und der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) gemeldet. Die sofort eingeleitete Taskforce hat an den Fahrzeugen ungewöhnliches Bremsverhalten festgestellt. Mit den von der BLS umgehend eingeleiteten Sofortmassnahmen ist die Sicherheit der Reisenden und der Mitarbeitenden gewährleistet.

 

Obsoleszenzmanagement

Wegen Problemen bei der Stromzufuhr ist bei den Zügen des Typs NINA die Mehrheit der Klimaanlagen ausgefallen, dies wegen einer ungünstigen elektrischen Zusammenwirkung zwischen der Fahrleitung und den Fahrzeugen. 23 NINAs mit drei Wagen und 13 NINAs mit vier Wagen waren ab Mitte April defekt. Ausgerechnet im Sommer konnten die Züge nicht klimatisiert werden. Aufgrund fehlender Ersatzteile mussten die Züge in zwei Etappen repariert werden.

 

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (ASGS)

Im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind die Auswirkungen der Pandemie ebenfalls spürbar, denn vor allem in den Monaten November und Dezember waren hohe Fallzahlen zu verzeichnen. Die Gesamt-Absenzquote (Krankheit, Berufskrankheit (BU) und Nichtberufsunfall (NBU)) konnte gegenüber dem Vorjahr leicht gesenkt werden, aber die Absenzkosten belaufen sich immer noch auf gut CHF 16 Mio.

Das Gsund@BLS-Netzwerk nimmt immer mehr Fahrt auf, und ab dem zweiten Quartal 2022 wird mit dem Dashboard Gesundheit ein Hilfsmittel zur Verfügung stehen, welches den HR-Business-Partnern zukünftig die Arbeit mit den Leitungsteams vereinfachen wird.

Bezüglich Unfällen waren bei Rangierfahrten im Bereich Bahnproduktion zwei Streifkollisionen zu verzeichnen, und im Vergleich zum Vorjahr war ein Anstieg im Bereich Zusammenstoss mit Gleisabschluss zu verzeichnen. Bei der Infrastruktur sind die Ereignisse im Vergleich zum Vorjahr um erfreuliche 25% zurückgegangen. Überschattet wurde das Ergebnis durch einen Starkstromunfall im Dezember, bei welchem eine Drittperson zu Schaden kam. Die Untersuchungen zu dem Vorfall laufen noch, und die Erkenntnisse werden in den täglichen Schulungen umgehend einfliessen – bei der BLS gilt hier absolute Null-Toleranz, und der Schutz der Mitarbeitenden und von Dritten auf unseren Anlagen hat oberste Priorität.

 

Versicherungen

2021 konnte die Organhaftpflichtversicherung trotz schwieriger Marktbedingungen erfolgreich verlängert werden. Die an den NINA-Zügen festgestellten Schäden (siehe oben) führten zu Reparatur- und Mehrkosten, welche zum Teil über den Eigenbehalt und über die Sach-/BU-Versicherung gedeckt werden können.

 

Andere finanzielle Risiken

Die BLS ist durch ihre Tätigkeit verschiedenen finanziellen Risiken ausgesetzt. Dazu gehören Liquiditäts-, Fremdwährungs-, Zinsänderungs- und Gegenparteirisiken:

  • Liquiditätsrisiko: Die Liquidität ist jederzeit sicherzustellen. Dies geschieht über eine laufende Planung, die Überwachung des Mittelbedarfs, die Vorhaltung einer Mindestliquidität sowie über kommittierte Bankkreditlinien.
  • Das Fremdwährungsrisiko wird durch natürliche Absicherungen und durch Devisentermingeschäfte gemindert. Die Absicherungsstrategie wird in regelmässigen Abständen geprüft und bei Bedarf angepasst.
  • Zinsänderungsrisiko: Durch die Staffelung der Laufzeiten und einen ausgewogenen Finanzierungsmix reduziert sich das Risiko von Zinsänderungen. Bei Bedarf können auch derivative Finanzinstrumente zur weiteren Mitigation eingesetzt werden.
  • Gegenparteirisiko: Finanzielle Gegenparteien werden fortlaufend überprüft und überwacht und müssen individuell festgelegte Grenzwerte einhalten. Operative Gegenparteirisiken werden regelmässig kontrolliert.

Ausblick

Strategisch

Die BLS hält trotz Unsicherheiten durch langfristige Konsequenzen der Corona-Pandemie an ihrer Strategie fest. Sie beschafft neue Züge und Lokomotiven für den Personen- und Güterverkehr und ersetzt damit ältere Fahrzeuge. Zudem modernisiert die BLS weiter ihre Werkstätten. Sie unterhält ihre Infrastruktur wie geplant und führt die Planung für den Ausbau des Lötschberg-Basistunnels fort. Den Fernverkehr und die Immobilien als Geschäftsmodell entwickelt die BLS weiter.

 

Regulatorisch

In den Prozessen der finanziellen Führung, der Projektarbeit und bei den Überwachungs-und Kontrollmechanismen will die BLS präziser und verbindlicher werden. Ein im Jahr 2021 lanciertes Projekt nimmt sich der Themen zur finanziellen Führung, der korrekten Verrechnung zwischen allen BLS-Geschäftsmodellen und durchgängigen Prozessabläufen an – dies in Abstimmung mit der eidgenössischen Finanzkontrolle und den Bestellern. Der operative Einsatz dieser System- und Prozessanpassungen ist per 1. Januar 2023 vorgesehen.

 

Finanziell

Die neu gegründete BLS Schifffahrt AG startet per 1. Januar 2022 ihren operativen Betrieb. Die BLS-Gruppe wird ihre laufenden Grossinvestitionsprojekte fortsetzen. Mit Unterstützung der neuen Finanzprozesse sollen dadurch langfristig gesunde Geschäftsmodelle entstehen. Das Geschäftsjahr 2023 soll dazu erste Resultate liefern.